Eine der drei Pfarreien der Konstanzer Bodanrückgemeinden ist die Pfarrei St. Nikolaus. Sie umfasst die politische Ortschaft Dingelsdorf mit dem Teilort Oberdorf und liegt nördlich von Konstanz am Südufer des Überlinger Sees. Dingelsdorf ist ein kleiner, ländlich geprägter und überschaubarer Vorort von Konstanz. Circa 2.000 Menschen haben hier ihren Hauptwohnsitz. 885 davon sind Katholiken (42,3 %). Der Ort ist in den letzten Jahren organisch gewachsen, so dass es ein gutes Verhältnis zwischen Jung und Alt und zwischen Einheimischen und Zugezogenen gibt. Dies spiegelt sich auch in der Zusammensetzung und im guten Miteinander unserer Pfarrei wider.
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Es gibt viele Gruppen von Menschen, verbandlich organisiert oder lose zusammengeschlossen, die sich in unterschiedlicher Weise und für verschiedene Zielgruppen für das Gemeindeleben und den Glauben einsetzen. Die kirchlichen Gruppen aber auch Einzelpersonen engagieren sich jeweils auf ihre Art für ein lebendiges Gemeindeleben und bringen sich aktiv in die Gestaltung der Gottesdienste und bei der Planung und Durchführung von vielfältigen Aktionen ein.

Einen wichtigen Beitrag leistet auch das Gemeindeteam St. Nikolaus, welches einen Überblick über die Aktivitäten und Gruppen vor Ort hat und diese miteinander vernetzt. Besonders stolz sind wir auf das katholische Kinderhaus, ein fester Bestandteil der Pfarrei.
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Nicht nur, aber auch die durch die herrliche Lage des Pfarrhauses mit einer herrlichen Sicht über den Überlinger See ist Dingelsdorf ein beliebter Wohnort für Pfarrer im Ruhestand. Seit dem Jahre 1989 wird das Pfarrhaus vom G.R. Werner Florian bewohnt, der als ehemaliger Dekan das Gemeindeleben vor Ort in St. Nikolaus, aber auch in der ganzen Kirchengemeinde tatkräftig unterstützt und im guten Miteinander mit Pfarrer Armin Nagel prägt und bereichert.
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Als katholische Gemeinde versuchen wir in den Gruppen und Ge­meinschaften, in den Gottes­diensten, aber auch ganz konkret im All­tag, die Botschaft von Jesus Christus in unsere heutige Zeit zu über­setzen und aus seinem Geist heraus zu leben. Wir laden Sie ein, sich selbst ein Bild davon zu machen.
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Wir freuen uns über jede und jeden, der mit uns vor Ort KIRCHE sein will. Kommen Sie zu uns in die Gottesdienste, besuchen Sie unsere Aktionen und Veranstaltungen.

Ob Jung ob Alt, ob still und abwartend oder aktiv und anpackend, alle sind willkommen. Sprechen Sie uns an. Und wenn Sie Hilfe brau­chen, dann lassen Sie uns auch das wissen, vielleicht können wir et­was für Sie tun. Wir freuen uns auf jede Begegnung mit Ihnen, wünschen Ihnen Gottes Segen und grüßen Sie herzlich.

Pfarrkirche St. Nikolaus
Die Mutterkirche der Konstanzer Bodanrückgemeinden

Die Landschaft in und um Dingelsdorf war schon früh besiedelt. Pfahlbauten belegen das. An der Stelle, wo heute die Kirche steht, gab es schon zur Zeit der Alemannen (8. Jh.) eine Gerichtsstätte. Dingelsdorf stand für ca. 350 Jahre unter der Obhut des Klosters Reichenau, bevor es im Jahr 1272 dem Deutschritterorden auf der Mainau unterstellt wurde. Dessen Kommende Mainau blieb bis zur Säkularisierung im Jahr 1805 Dorf-, Gerichts- und Patronatsherr sowie bedeutendster Grundherr. Als Mutterpfarrei für Dettingen und Litzelstetten kommt Dingelsdorf und seine dem heiligen Nikolaus und dem heiligen Pelagius geweihte Pfarrkirche eine Mittelpunktsfunktion für die umgebenden Dörfer und Weiler zu.
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Der heutige Kirchenbau aus spätgotischer Zeit geht auf das Jahr 1455/56 zurück. Die Dingelsdorfer Kirche hat jedoch eine wesentlich ältere Geschichte, die bis in die Karolingerzeit zurückreicht. Schon im Jahr 946 wurde sie in einer Urkunde des sächsischen Königs Otto I. erstmals direkt erwähnt. Untersuchungen haben ergeben, dass das Mauerwerk im unteren Teil des Langhauses aus dem 12./13. Jahrhundert stammt.
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Um 1460 erhielt die Kirche den hohen Chor und den einmaligen Turm: Weil wegen des Friedhofs der Platz für einen Kirchturm fehlte, wurde er in das Kirchenschiff gebaut und steht mit einer Ecke und zwei Mauern auf einem gewaltigen Eichenstamm, an dem noch die Axteinschnitte erkennbar sind und der den Besucher noch heute staunen lässt. Die Zahl 1493 über dem Hauptportal bezieht sich vermutlich auf die Weihe der Kirche.
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In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte eine schlichte Barockisierung der Kirche. Dabei wurden auch die Fenster an der hinteren Chorwand zugemauert (von außen erkennbar). Der Innenraum erhielt eine zurückhaltende Stuckierung. Der Hochaltar aus dem Jahr 1744 wurde nach Plänen des Mainauer Baumeisters Johann Caspar Bagnato geschaffen. Daran erinnert das Deutschordenskreuz über dem Altar.
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Die beiden Gemälde der Geburt Christi und der Anbetung der Weisen sind Werke des Konstanzer Malers Jakob Anton Lenz aus dem Jahre 1750. Flankiert wird der Hochaltar von barock bewegten Skulpturen: den Kirchenpatronen Nikolaus (links) und Pelagius (rechts), beide um 1690.

Die Barocken Seitenaltäte stammen aus dem Jahr 1727. Der Marienaltar links birgt die Statue einer Rosenkranzmadonna (um 1718). Sie ist ein Frühwerk Johann Anton Feuchtmayers. Der Altar auf der rechten Seite zeigt die hl. Anna mit Maria und dem Jesuskind („Anna Selbdritt“, vermutlich aus der Werkstatt von Christoph Daniel Schenk). Die Holzrahmen der beiden Seitenaltäre kamen, ebenso wie das Chorgestühl, nach der Auflösung des Klosters St. Katharinen bei Litzelstetten hierher nach Dingelsdorf.
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Beachtenswert ist die spätgotische Kleinplastik der Taufe Jesu über dem sehr alten Taufstein, ebenso eine spätgotische Skulptur des hl. Sebastian an der Nordwand, sowie Reste eines spätgotischen Wandfreskos an der südlichen Chorwand, das die Hl. Cäcilia, die hl. Katharina und den hl. Georg zeigt. Die Kreuzwegstationen stammen von einem barocken Maler. Außer der um 1900 erbauten Sakristei wurde das Gotteshaus nie erweitert. Im Jahr 1996/97 erhielt die Dingelsdorfer Kirche auf der Westempore eine passende Orgel mit 14 Registern, gebaut von der Firma Pfaff (Überlingen). Im Kontrast zur barocken Ausstattung des Hochaltars wurde im Jahr 2002 durch die Reichenauer Silberschmiede Epp ein neuer Zelebrationsaltar, der die zuvor provisorische Einrichtung ersetzte, geschaffen, sowie ein dazu passender Ambo, Sedilien und ein Kredenztisch

Die Kapelle Heilig Kreuz

Zwischen Litzelstetten und Dingelsdorf liegt Oberdorf, ein Ort, der sich aus einem Kehlhof entwickelte, der zunächst dem Kloster St. Gallen, später dann für ca. 350 Jahre dem Kloster Reichenau unterstand. Bei der Neuordnung der territorialen Verhältnisse auf dem Bodanrück im Jahr 1272 ist schließlich Oberdorf an die Deutschordenskommende Mainau gekommen.
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Die heutige Kapelle stammt aus dem 18. Jh. Jedoch gab es schon wesentlich früher an dieser Stelle eine Kapelle, in der eine Heilig-Kreuz-Reliquie verehrt wurde. Vor allem nach dem 30-jährigenKrieg (1648) sind zahlreiche Wallfahrten zur Heilig-Kreuz-Kapelle urkundlich belegt. Auch gibt es für das späte 17. Jahrhundert in den Archiven Hinweise auf die Bewirtung der vielen Pilger.

Die Kapelle Heilig Kreuz in Oberdorf:
ein Denkmal der Region

Den Grundherren der Mainau von Dingelsdorf–Oberdorf lag viel daran, alte Kirchen und Kapellen dem herrschenden Barockstiel anzupassen. So kam es in der Mitte des 18. Jh. auch in Oberdorf zu einem neuen Bau, der jetzt eine Größe wie die Pfarrkirche in Dingelsdorf aufweist. Die Obrigkeit wollte dadurch auch für bestimmte Anlässe geeignete Orte schaffen zur Huldigung und Treuebekundung, wofür die Außenkanzel geschaffen wurde, die dann auch vom Prediger bei großen Ansammlungen von Pilgern benutzt wurde. Der Neubau der Heilig-Kreuz-Kapelle wurde dem gefeierten Baumeister des Deutschordens Johann Caspar Bagnato übertragen. Der vielbeschäftigte Baumeister errichtet 1747/48 einen einfachen, indes wohldurchdachten und harmonischen Kirchenbau. Sein Sohn Franz führte die Arbeiten seines Vaters fort. Es wurde ein länglicher Bau, der die Vorderfront mit dem Turm in der Mitte seitlich abgerundete, die Apsis wurde ein Halbborgen, der Grundriss entsprach der Idee eines Grabes im Sinne der Überlieferung der Reichenauer Heilig-Kreuz-Kapelle.
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Am Turm, der mit einem Pagodendach gedeckt ist, gibt über der Außenkanzel eine Sonnenuhr die Zeit an. Sehr einfach und zurückhaltend passte sich der Zeitgenosse Bagnatos, der Stuckateur Francesco Pozzi aus Como, der ländlichen Barockkapelle an. Mit dem Deckengemälde „Auffindung des heiligen Kreuzes durch Helena“, das die Heilung einer kranken Frau zeigt, wurde der Mainzer Hofmaler Joseph Ignaz Appiani beauftragt. Das Altarbild (Kreuzigung Jesu) stammt von dem Konstanzer Maler Jakob Anton Lenz.

Der Altar selbst ist aus der Feuchtmayer-Werkstatt von dem Gesellen Josef Anton Renn und wird umrahmt von den Leidenswerkzeugen Christi: Hammer, Nägel, Leiter, Lanze, Schwamm, Würfel und Hahn, oben das Antlitz Christi. Auf beiden Seiten fällt je ein Beichtgitter auf. Zur Mitte hin herausgehoben sind zwei Engelstatuen von Josef Anton Renn mit Spruchbändern zu sehen mit letzten Worten Jesu und auf die Bedeutung des Todes Jesu Christi hinweisen. Anstelle eines Tabernakels steht im Zentrum des Altars der Schrein der Heilig-Kreuz-Reliquie aus der Zeit von 1740. Das wertvolle Reliquienkreuz ist an besonderen Festen zusehen, sonst aber außerhalb in einem Tresor untergebracht. Auch die Kreuzwegbilder und Fassungen stammen aus dieser Zeit. Der Fußboden hat barockgemäß einfache rohe Ziegelplatten, im Chor sind jedoch glasierte Kleinquadratplatten zum Teil mit eingeprägtem Mainauer Kreuz.

Ein hohes Maß an Originalität weist das Dach mit der historischen Biberschwanzdeckung auf. Der am Ausgang befindliche ca. 1,30 m hohe mit drei handgearbeiteten Schlössern und Sicherheitsbügel geschützte Opferstock trägt am Fuß auch das Mainauer Kreuz.
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Die Heilig-Kreuz-Kapelle war zeitweise ein viel besuchter Wallfahrtsort. Vor allem in der Pestzeit und immer wieder bei schwerer Bedrängnis und Not wurde hier Schutz und Segen des hl. Kreuzes für sich und die Felder erbeten. Besondere Feste sind auch heute das Titularfest „Kreuzerhöhung“ im September sowie Christi Himmelfahrt, wo eine Sternprozession der Gläubigen aus den Konstanzer Bodanrückgemeinden von St. Nikolaus, St. Peter und Paul und St. Verena durch Fluren und Wälder stattfindet mit dem Ziel der gemeinsamen Feier der Eucharistie und dem Segen mit der Heilig-Kreuz-Reliquie. Auch ist jeweils einmal am Sonntag im Monat und bei besonderen Anlässen in der Kapelle die heilige Messe.