Standby

Standby – Gott lässt sich einschalten

Von Pfarrer Armin Nagel am 18. März 2022

Wenn ich in den Wintermonaten abends in meine dunkle Wohnung komme, dann sind die einzigen kleinen Lichtquellen die Standby-Lichter am Fernseher, der Musikanlage, dem Herd oder der Mikrowelle. In fremder Umgebung – etwa einem Hotelzimmer – sind für mich diese kleinen Leuchten Orientierungspunkte, die mir beim nächtlichen Aufwachen in meiner benommenen Schläfrigkeit anzeigen, wo ich mich gerade befinde. Egal ob zuhause oder im Hotelzimmer – mit einem kleinen Klick lässt sich das gewünschte Gerät in Windeseile einschalten.

Gehen Sie abends oder nachts mal dicht an der Glaswand unserer Kirche in Litzelstetten entlang; schnell werden Sie auch dort ein Standby-Licht, nämlich das sogenannte Ewige Licht, ausmachen.

Es zeigt an, dass Gott da ist – in der Gestalt des Brotes ist Jesus im Tabernakel ganz gegenwärtig. Er ist da – Gott ist da!

Und genau das ist sein Name. So hören wir es an diesem dritten Fastensonntag in der Lesung aus dem Buch Exodus: Aus dem brennenden Dornbusch „antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin da!“ Dieser Dornbusch, der brennt ohne zu verbrennen, ist Zeichen der unendlichen Liebe Gottes, jenes Gottes, der einfach da ist. Er lässt sich in unser Leben einschalten, wenn wir ihn nur im Blick behalten und ihn rein lassen.

Gottes Verheißung an Mose besagt, dass er sein Volk aus dem Sklavenhaus Ägypten herausführen werde. Und so zieht er bei Tag in einer Wolke, des nachts in einer brennenden Feuersäule vor dem Volk her, um ihm den Weg zu weisen.

Wenn ich daran denke, steigen in mir sofort die Bilder der über zwei Millionen Menschen auf, die aus ihrer ukrainischen Heimat fliehen. Wer führt sie? Und wenn ja, wohin? Ist da jemand, der für sie ein Lichtblick ist?

Da Gott den Menschen als sein Abbild erdacht und geschaffen hat, bedeutet das für uns als seine Abbilder, ganz gegenwärtig zu sein für die Herausforderungen und die Not, mit der die Flüchtenden konfrontiert sind.

Standby – wenn ich in unseren Kirchen das Ewige Licht sehe, dann mache ich mir – in einem kleinen „Gedankenklick“ – ganz bewusst, dass Gott da ist. Er lässt sich einschalten – in meinem Leben, auf den Licht- wie auf den Schattenseiten.

Somit gilt es für mich wie für alle, die Gottes Abbild in sich tragen, da zu sein. Dasein, um Orientierung in dunkler Zeit zu geben; dasein, damit niemand die Lebens- und Fluchtwege alleine gehen muss; dasein, um Lichtblicke in die Trauer und Angst zu bringen.

Gott lässt sich einschalten – vielleicht sogar durch uns …

Ich wünsche Ihnen Standby-Zeiten, in denen Ihnen Gott einleuchten kann!

Ihr Pfarrer Armin Nagel