Berg- und Talfahrt der Gefühle

Berg- und Talfahrt der Gefühle

Von Pfarrer Armin Nagel am 11. März 2022

In diesen Tagen ist mir aufgefallen, dass die Fastenzeit ein Weg durch ein Gebirge markiert; genau genommen sind es drei Berge, die wir in diesen vierzig Tagen erklimmen.

Am ersten Fastensonntag wird Jesus vom Teufel auf einen Berg geführt, von dem er ihm alle Reiche des Erdkreises zeigt und ihm die Macht darüber zusagt, wenn er sich vor ihm niederwirft und ihn anbetet. Aber Jesus wirft sich nicht vor dem Teufel nieder, er lässt sich nicht auf die Versuchung ein.

Mit dem zweiten Fastensonntag führt Jesus Petrus, Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg, wo sie Zeugen seiner Verklärung werden. Direkt nach dem Moment der Verklärung und der Zusage Gottes, dass Jesus der geliebte Sohn sei, gilt es wieder hinabzusteigen; hinab in die Niederungen des Alltags, an dem so gar nichts Verklärtes ist.

Der dritte Berg schließlich wird durch das Kreuz Jesu markiert – an Karfreitag führt uns der Weg auf Golgatha. Der dramatische Höhepunkt ist das Kreuz! Selbst im größten Leiden, im Sterben am Kreuz schaut der Gekreuzigte von sich selbst weg und blickt auf seine Mutter und Johannes unter dem Kreuz, und er vertraut die beiden ihrer gegenseitigen Fürsorge an.

Drei Berge – die Geschehnisse auf ihnen rufen in mir eine Berg- und Talfahrt der Gefühle hervor:

Da ist der große Berg der Versuchung, über alle Reiche dieser Welt zu herrschen; und wir sehen in diesen Tagen, welches unsagbare Leid Menschen erleben, weil sich ein irdischer Herrscher auf diesen Berg emporschwingt.

Jesus selbst wird auf dem Tabor die Liebe seines Vaters zugesagt. Mit dem erweiterten Perspektive dieses Berges hoffe und bete ich für die vielen leidenden Menschen, dass sie gerade in dieser Situation Gottes leidenschaftliche Liebe in der stummen Zusage vernehmen: „Du bist mein geliebtes Kind, ich lasse dich nicht allein!“

Dass Gott mit dieser Zusage ernst macht, zeigt sich im Kreuzestod seines Sohnes auf Golgatha, dem dritten Berg. Und damit trägt er alle unsere eigenen Kreuze mit!

Und wir … und ich? Ich war in den vergangenen Tagen öfter in Litzelstetten auf dem Purren. Bei jedem Gang stelle ich mir die Frage: Auf welchen Berg gehst du? Wo sind deine Anfälligkeiten? Für wen und mit wem trägst du das Kreuz?

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

Ihr Pfarrer Armin Nagel