Die anderen Brücken

Die anderen Brücken

Von Pfarrer Armin Nagel am 2. Dezember 2021

Gerne will ich meinen Impuls mit einem Text von Anne Steinwart beginnen:

DIE ANDEREN BRÜCKEN

Du hast einen schönen Beruf, sagte das Kind zum alten Brückenbauer. Es muss sehr schwer sein, Brücken zu bauen.

Wenn man es gelernt hat, ist es leicht, sagte der alte Brückenbauer. Es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind viel schwieriger, sagte er, die baue ich in meinen Träumen.

Welche anderen Brücken?, fragte das Kind.

Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde. Dann sagte er: Ich möchte eine Brücke bauen von der Gegenwart in die Zukunft. Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. – Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit, über alles Vergängliche hinweg.

Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil das Kind ihn wieder froh machen wollte, sagte es: Ich schenke dir meine Brücke. Und das Kind malte für den Brückenbauer einen bunten Regenbogen.

Immer wieder sehen wir den Regenbogen, Zeichen des Bundes Gottes mit uns Menschen. Immer wieder bietet er uns seine Liebe und seinen Frieden an. Durch die Menschwerdung Jesu Christi hat Gott einen Brückenpfeiler unverbrüchlich in unser Leben hineingesetzt. Nun liegt es – gerade in den Tagen des Advents – an uns, ob wir diese Brücke auf die anderen Menschen hin verlängern.

Johannes der Täufer ruft es uns am heutigen Tag zu: „Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straßen!“

Ich wünsche Ihnen in diesen adventlichen Tagen gute und achtsame Brücken-, Wege- und Straßenarbeiten!

Ihr Pfarrer Armin Nagel