Wechselbad der Gefühle

Wechselbad der Gefühle

Von Pfarrer Armin Nagel am 27. März 2021

Gedanke

Als „Wechselbad der Gefühle“ beschreiben wir die Hoch- und Tiefpunkte im Leben, die sehr eng zusammenIiegen können. Vor allem prominente und populäre Menschen erfahren immer wieder, wie schmal der Grat zwischen beiden ist. Als Politiker, Sportler und Popstars feiern sie große Auftritte auf roten Teppichen, stehen im Rampenlicht, werden bewundert, beneidet und umjubelt. Aber es braucht nicht viel, und die Stimmung ändert sich: Ein Spendenskandal, eine Dopingaffäre, verhängnisvolle Bilder oder persönliche Fehltritte aus der Vergangenheit, die ans Licht gebracht werden. Mit einem Mal faIlen dann dieselben, die sie vorher hochgejubelt haben, gnadenlos über sie her. Schlagartig wird aus dem „Hosanna“ ein „ans Kreuz mit ihm“.

Am Palmsonntag feiern Christen, dass Jesus feierlich unter dem Jubel der Menschen in Jerusalem eingezogen ist. Ganz bescheiden auf einem Esel. Nur wenige Tage später wird sich die anfängliche Begeisterung für ihn in das Gegenteil umkehren. Seine Vergangenheit wird ihn einholen: dass er zu Menschen gut war, sie spüren ließ, dass sie Gottes geliebte Kinder sind, sie bedingungslos annahm, ihnen Sünden vergeben hat und sie heilte. Das bringt ihn ans Kreuz. Doch er steht zu dem, was er getan, gepredigt und vorgelebt hat. Er zeigt Rückgrat, auch wenn ihm dies das Kreuz bricht. Und genau das unterscheidet ihn von vielen anderen Menschen.

Bibelstelle (Mk 11,1-2.7-11)

Als Jesus und seine Jünger in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte er zwei seiner Jünger aus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her! Sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe! Und er zog nach Jerusalem hinein, in den Tempel; nachdem er sich alles angesehen hatte, ging er spät am Abend mit den Zwölf nach Betanien hinaus.

Gebet

Herr Jesus Christus. Am Palmsonntag bist du unter dem Jubel der Menge in Jerusalem eingezogen. Die Hochstimmung dieses Tages ist bald in Ablehnung und blanken Hass umgeschlagen. Dieses Wechselbad der Gefühle ist auch uns nicht fremd. Erst hochgejubelt zu werden, um dann tief zu fallen. Wo wir dies in unserem Leben erfahren müssen, steh du uns bei, weil du Gleiches erlebt hast. Und wenn wir am Boden liegen, dann gib uns echte Freunde an die Seite, die uns aufrichten und uns bei den nächsten Schritten helfen. Darum bitten wir dich, unseren Bruder und unseren Herrn in Ewigkeit.

Amen.