Frühjahrsputz der Seele

Frühjahrsputz der Seele

Von Pfarrer Armin Nagel am 21. Februar 2021

Impuls für die 1. Fastenwoche

Gedanke

Nach dem langen Winter sehnen sich viele nach dieser Zeit: dem Frühling. Die Winterkleider werden weggehängt, nicht wenige rüsten sich zum Frühjahrsputz. Auch wenn die Gartencenter aufgrund der Pandemie und des Lockdowns noch nicht geöffnet haben, wird mancherorts bereits fieberhaft geplant und nachgedacht, wie der Balkon oder das kleine Gärtchen in diesem Jahr bepflanzt werden soll. Ganz abgesehen von den Frühlingsgefühlen, die in manchem von uns erwachen. Der Kalender weist aber neben dem anbrechenden Frühling noch auf eine andere Zeit hin: die Fastenzeit. Für viele wieder eine günstige Gelegenheit, den angefutterten „Winterspeck“ loszuwerden. Da heißt es dann eben: den Gürtel eine Zeit lang enger schnallen.

Ich glaube allerdings: Wer in diesen Wochen nur seinen Körper von Übergewicht befreien will, hat eine Chance vertan. Fastenzeit will nämlich mehr sein als nur die jährliche Möglichkeit, mein Gewicht zu reduzieren. Ich habe nicht nur Probleme mit den überflüssigen Pfunden, die ich mit mir herumschleppe. Einiges empfinde ich als Ballast woran ich schwer zu tragen habe. Dinge, an die ich mich gebunden fühle. Sie erscheinen mir oft so lebensnotwendig und ich merke, sie sind es gar nicht. Ich lerne auf etwas zu verzichten und erfahre dadurch: Ich bin weniger abhängig, als ich gedacht habe. Das gibt mir wieder ein Gefühl von Freiheit. Ich fühle mich leichter und heller und unbeschwerter.

 

So ist Fastenzeit für mich eine Art „Frühjahrsputz der Seele“.

 

Bibelstelle (Mt 6,31-34)

Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn nach alldem streben die Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.

Gebet

Barmherziger Gott, die vierzig Tage der österlichen Bußzeit bereiten uns auf das Osterfest vor. Wir können sie als eine Zeit sehen, in der wir manches loswerden können, was uns das Leben schwermacht: Abhängigkeiten, Bindungen und Verstrickungen in das, was wir für unverzichtbar halten. Diese Tage sollen aber nicht allein dazu dienen, uns in vielerlei Hinsicht einzuschränken. Hilf uns vielmehr den Blick zu schärfen, wovon wir uns befreien können, weil es unsere Seele bedrückt. So bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und unseren Herrn in Ewigkeit. Amen.