Ermutigende Beispiele

7. Tag – Blog zur Kundschafterreise auf die Philippinen

Wie kann eine von möglichst vielen Menschen geteilte Vision entstehen, die die Kirchengemeinde in die Zukunft führt? Heute hörten wir, wie dies der Kirchengemeinde St. Ursula in Oberursel (Bistum Limburg) gelungen ist. Der dortige Pfarrer war vor etwa vier Jahren zusammen mit der Pastoralreferentin ebenfalls auf Kundschafterreise hier auf den Philippinen. Trotz der Bedenken vieler in ihrer Heimatgemeinde und Reaktionen wie: „Das ist bei uns niemals realisierbar“, haben sie sich zusammen mit weiteren Gleichgesinnten auf den Weg gemacht. Dazu wurde ein Visionsprozess in Gang gebracht, der insgesamt etwa ein Jahr dauerte. Der Sinn eines Visionsprozesses, so erklärte uns Estella, ist es, dass Leute miteinander ins Gespräch kommen und gehört werden. Ziel ist es, auch die zu erreichen, die nicht in die Kirche gehen. So ging die „Startergruppe“ in einem ersten Schritt auf Erkundung: Sie wollte hören, was Menschen denken, was sie beschäftig, was in ihrem Leben wichtig ist. Sie wollten Gott und die Kirche bei den Menschen entdecken. Dazu dienten Interviews. Was sie dort hören und sammelten, half ihnen, den Visionstag vorzubereiten, auf dem dann aus den vielen Interviewantworten verschiedene Kategorien erstellt wurden. Letztendlich war das Ergebnis eine gemeinsam formulierte Vision, mit der sich viele identifizieren konnten.   

Dieses Beispiel aus Deutschland hat uns ermutigt, für unsere Kirchengemeinde in eine ähnliche Richtung zu denken. Bestärkt wurden wir auch durch den Besuch in einem philippinischen Fischerdorf in Silay-City. Dort waren wir eingeladen, in einer BEC („Basic Ecclesial Community“ – „kirchliche Basisgemeinschaft“) eine Wort-Gottes-Feier mitzuerleben. Zuvor wurden wir von Einheimischen durch das Dorf geführt. Es war für uns beklemmend und erschütternd zu sehen, wie die Menschen dort in für uns unvorstellbaren Verhältnissen leben müssen. Es gibt kaum feste Häuser, sondern eher Hütten, die die Einwohner aus einfachsten Materialien (z.B. Bambus, Pressspanplatten, Wellblech) zusammengezimmert haben. Die Fenster sind ohne Scheiben, die Hütten ohne Türen und die sanitären Bedingungen katastrophal. Aus unserer Perspektive sind diese Menschen den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert und haben kaum Privatsphäre. Dennoch war ein Strahlen in vielen Gesichtern und sie schienen sich wirklich zu freuen, dass wir bei ihnen zu Besuch waren.

Busfahrt zum Fischerdorf in Silay City

Im Fischerdorf

Fischerboot am Strand

Im Fischerdorf

Woher dieses schöne Strahlen kommt und was ihnen Kraft gibt, in diesen Lebensbedingungen auszuhalten, wurde uns deutlich, als wir uns gemeinsam mit ihnen in ihrer Kapelle versammelten. Dort treffen sie sich einmal in der Woche zum Gebet. Immer steht das Wort Gottes dabei im Zentrum. Es wird miteinander geteilt und gefragt, zu welchen Handlungen es den einzelnen, aber auch die Gemeinschaft bewegt bzw. herausfordert. Heute wurde das Evangelium von der Heilung des blinden Bartimäus gelesen, der von den Menschen ausgestoßen und von ihnen auf derbe Art und Weise zum Schweigen gebracht wurde. Wir erlebten unter anderem das beeindruckende Zeugnis eines Fischers, der vor uns allen erzählte, dass er aufgrund seiner einfachen Schulbildung und seines schlichten Berufes ebenso von vielen „von oben herab“ behandelt worden ist. Die Gemeinschaft mit anderen in der BEC und das Wort Gottes richten ihn auf und geben ihm Kraft und Zuversicht für seinen Alltag.  

Was für eine Lektion! Eine kirchliche Basisgemeinschaft in einem Fischerdorf lebt die Kirche, wie wir sie uns erträumen: Sie stellt das Wort Gottes ins Zentrum und lässt sich von diesem leiten und bestärken.

Neugierig aufeinander

Altar in der Kapelle

Titelbild: Bibelteilen in der Gemeinschaft