Phasen der Kirchenentwicklung

5. Tag – Blog zur Kundschafterreise auf die Philippinen

Am Sonntag ging es morgens nach Bacolod-City in die Kathedrale St. Sebastian. Dort wird sonntags im Stundentakt von 5:00 bis 14:00 die Messe zelebriert. Wir feierten die Messe um 9:00 Uhr mit. Diese Eucharistiefeier wurde in der Sprache Hiligaynon zelebriert, eine von etwa 70 Sprachen, die es auf den Philippinen gibt. Alle Gottesdienste sind bis auf den letzten Platz gefüllt, selbst außerhalb der Kathedrale gibt es Sitzplätze für die Gläubigen, die die Feier über Bildschirme mitverfolgen. Als Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung konzelebrierten die mitgereisten Priester aus der Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Altarraum. Die philippinischen Gläubigen hießen ihre deutschen Glaubensgeschwister durch einen herzlichen Applaus willkommen. Da es unerträglich heiß war und zahlreiche Ventilatoren wenigstens für einen Hauch von Frische sorgten, war die Aufgabe eines Messdieners, einen Ventilator immer wieder neu zu positionieren, damit es den Priestern in ihren Gewändern nicht zu heiß wurde. 

Eucharistiefeier in der Kathedrale von Bacolod und Gabengang während der Messe

Besonders beeindruckend war der Gabengang, bei der Gläubige aus einer BEC schön verpackte Nahrungsmittel zusammen mit den eucharistischen Gaben zum Altar brachten. Die Nahrungsmittel werden anschließend an Bedürftige weitergegeben. Im Anschluss an die Messe strömten viele Gläubige zu den deutschen Priestern, um ihnen ihre Wertschätzung zu zeigen, indem sie deren Hand ergriffen, sie an ihre Stirn führten und um den Segen baten.

Wieder im Pastoralinstitut zurückgekommen, begann der zweite Abschnitt unserer Reise. Nach den beiden Einkehrtagen folgen nun vier Studientage, in denen wir tiefer in die Theorie und Praxis einsteigen, wie eine Kirchengemeinde zu einer partizipativen Kirche werden kann, in der sich möglichst viele beteiligen, auch die große Menge derer, die bisher nicht aktiv am kirchlichen Leben teilgenommen hat. Auch für uns ist dies ja ein zentraler Gedanke, der uns beschäftigt. Interessant waren vor allem die Zahlen, die uns Father Marc und Estella vor Augen führten: Auf den Philippinen gibt 100 Mio. Einwohner, darunter 80 Mio. Katholiken. 60 % davon sind junge Menschen. Ein Viertel der Einwohner leben unter der Armutsgrenze, die Hälfte knapp über oder unter der Armutsgrenze. Ein Grund, warum viele Menschen sich nicht aktiv in der Pfarrgemeinde einbringen, ist, dass sie nicht die finanziellen Mittel oder zeitlichen Ressourcen dafür haben, weil sie mit der Sicherung ihres Lebensunterhalts beschäftigt sind.

Wir beschäftigten uns mit vier Phasen der Kirchenentwicklung, die alle in einer Kirchengemeinde auch parallel vorkommen können. Für die Entwicklung einer Kirchengemeinde hin zu einer partizipativen Kirche ist die Phase der „aufwachenden Kirche“ eine ganz wichtige und unvermeidliche, damit Wachstum geschehen kann. Denn in dieser Phase stellen die Menschen Fragen (wie z.B.: Wie können Glaube und Leben miteinander verknüpft werden? Wer oder was ist die Kirche? Was heißt es, heute Christ zu sein? Was ist meine Rolle/Aufgabe dabei?), die eine großartige Möglichkeit zur Weiterentwicklung sind. Zum Abschluss dieser Einheit stellten wir uns die Frage, welche Phasen wir in unserer Kirchengemeinde wahrnehmen und welche Art von Leitung nötig ist, um von einer Phase zur anderen zu kommen.

Was wir mit in den Abend hineinnehmen ist die brennende Frage, wie wir auf dem Bodanrück es schaffen, uns weiter zu entwickeln und es ermöglichen, dass möglichst viele der getauften Christen sich unserer Kirchengemeinde zugehörig fühlen. Wie gelingt uns also eine maximale Partizipation? Dazu morgen mehr …

Titelbild: Seminar zum Thema „Kirchenentwicklung“