Palmsonntag

14. September 2021

„Jetzt sind wir zwei!“

Bei einem Besuch in einem altehrwürdigen Priesterseminar vor vielen Jahren hatte ich eine verblüffende Begegnung: In jenem barocken Gebäude stieg ich das Treppenhaus empor, an dessen Wänden sich Bilder und Figuren vieler Heiliger abwechseln. Als ich im zweiten Stock ankam, starrte mich mit großen Augen, riesigen Ohren und keinem besonders intelligenten Gesichtsausdruck ein lebensgroßer Kopf eines Esels an. Dem nicht genug befand sich darunter auf einem Messingschild folgender Ausspruch: „Jetzt sind wir zwei!“ Ob ich es wollte oder nicht, der Esel machte mich zu seinem Gefährten. Machen wir einen kleinen Sprung:

Wir schauen auf turbulente Monate zurück. Die Pandemie hält uns weiterhin fest im Griff! Hochwasserkatastrophe in Deutschland – Brände auf Sizilien, in Griechenland und Californien – Erdbeben auf Haiti. Zudem stockt uns der Atem mit Blick auf das Agieren der Taliban in Afghanistan. In Familien, Beziehungen, am Arbeitsplatz – vielleicht mussten auch dort in der vergangenen Monaten Krisenzeiten durchstanden werden. Als Pfarrer habe ich nach einer gewissen Zeit in meiner Gemeinde eines gelernt: „Unter jedem Dach ein Ach!“

Schicksalsschläge, Katastrophen, Hass und Gewalt gibt es und wird es weiterhin geben. Aber durch den Tod Jesu am Kreuz ist uns ein für alle Mal zugesagt: „Ich bin da!“

Das ist die Torheit des Kreuzes – in den Augen der Welt eine Eselei, dass Gott mit seiner Leidenschaft zu uns Menschen ernst macht, indem er in unser Leiden mit eintritt.

„Jetzt sind wir zwei“ – Das, was mir der Esel entgegenwirft, ist genau das, was uns Jesus vom Kreuz aus zuspricht:

Mensch, du fühlst dich ungerecht behandelt. Sieh auf mich, wie ich ungerechterweise hier aufs Kreuz gelegt wurde. So ist es gut, jetzt sind wir zwei.

Mensch, du fühlst dich von anderen ausgegrenzt, gemobbt und gedisst. Sieh auf mich, wie ich verhöhnt und verspottet werde. So ist es gut, jetzt sind wir zwei.

Mensch, du fühlst dich diskriminiert und missbraucht. Sieh auf mich, wie ich Opfer von Missbrauch geworden bin. So ist es gut, jetzt sind wir zwei.

Mensch, du fühlst dich alleine, von Menschen und von Gott verlassen. Höre auf mein Rufen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? So ist es gut, jetzt sind wir zwei.

Im September begeht die Kirche das Kreuzfest. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Kreuz – egal, ob groß oder klein – im Blick auf den tragen können, der uns zuspricht: „So ist es gut, jetzt sind wir zwei!“

Herzlichst Ihr Pfarrer 

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